Die Geschichte

     
   

Um das Jahr 1895 tun sich die drei stimmbegabten Söhne des Schlachtergesellen Isaac Joseph Isaac – Ludwig, James und Leopold – aus der Hamburger Neustadt zu einem harmonischen Gesangsterzett unter dem Namen "Wolf-Trio" zusammen. Mit den unterschiedlichsten Kostümierungen untermalen sie ihre Gesangseinlagen.

 

     
   

     
   

       
   

Als James 1906 die Gruppe verlässt, setzen Ludwig und Leopold den eingeschlagenen Weg als Duo fort. Den großen Durchbruch, der sie unter dem Namen "Gebrüder Wolf" berühmt macht, verdanken sie der 1911/12 entwickelten Hamburger Lokalrevue "Rund um die Alster". Dieser Revue entstammt das Lied "Snuten und Poten", das zum Erkennungsschlager der »waschechten Hamburger Jungs« in Hafenarbeiterkluft wird. Als »Fietje und Thetje« reißen sie mit ihren Auftritten und Liedern das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

     
               
   

»Die ‘kleinen Leute’ sahen sich selbst dargestellt, fanden und erkannten sich in den Wolfschen Figuren wieder bzw. konnten sich über ihre lieben Mitmenschen, deren Unzulänglichkeiten, Fehler und Schwächen lustig machen (...) Mit einem zugekniffenen Auge identifizierte sich auch der solideste Bürger aus der Oberschicht – bei aller gesellschaftlichen Distanz – mit dem Bild des munteren, verwegenen und ‘plietschen Hamburger Jung’ und fühlte sich durch den Vortrag der Gebrüder Wolf auf eine Art repräsentiert, die er akzeptieren konnte, ohne sich etwas zu vergeben – auch wenn er das Milieu des Hafens und des dort tätigen Menschenschlages vielleicht unmittelbar gar nicht kannte. Die Lieder, die Hamburgs Ruhm und Ansehen glorifizierten, erweckten auch in ihm das Zugehörigkeitsgefühl: ‘Wir Hamburger!’« 
 (Detlev Lüder in »Beiträge zur Deutschen Volks- und Altertumskunde«, Museum für Hamburgische Geschichte, 1973)

     
   

 

Wie vor ihnen schon der Alleinunterhalter Hein Köllisch (1857-1901) geben die Gebrüder Wolf ihre Couplets zunächst auf losen Textblättern heraus. In den zwanziger Jahren werden ihre Lieder von allen bekannten Schallplattenherstellern vertrieben. Auftritte auf fast allen Hamburger Bühnen und Gastspiele von Wien bis nach Bergen folgen. Aber nicht nur als Bühnenstars, auch als Unternehmer und Filmschauspieler machen sie sich einen Namen. Zu ihrem Besitz zählt das Hamburger Operettenhaus und andere Theater. Als Schauspieler sind sie in dem 1912 produzierten Film "Glückspilze" zu sehen.

1926 stirbt Leopold Wolf. Im Gesangsduo ersetzt ihn sein zweitältester Sohn James. 1933 erhalten die Wolfs Berufsverbot. Im gleichen Jahr wird das Operettenhaus von einem Mann aus der NSDAP übernommen. 1939 emigrieren James und sein Bruder Donat Wolf nach Shanghai. Auch dort stehen sie wieder auf der Bühne – um ihr Überleben zu sichern. 1947 dann die nächste Flucht vor Mao nach New York, wo sie im Café Rheinland und in der Schwabenhalle wieder zu sehen sind. James, der jüngste des ehemaligen Wolf-Trios, wird 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1943 im Konzentrationslager ermordet. Ludwig Wolf überlebt den Krieg dank seiner »arischen« Ehefrau in Hamburg. Nach dem Krieg ist er noch zeitweise künstlerisch aktiv, wenn auch nicht mehr mit den vor dem Krieg so populären Programmen. Er stirbt am 8.März 1955.

     
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Gebrüder Wolf
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  Buch: An de Eck steiht'n Jung mit'n Tüdelband
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